Eine hohe Stromnetzqualität ist die Grundlage für einen störungsfreien Betrieb. Doch selbst die beste Versorgungsqualität schützt nicht vor Ausfällen innerhalb der eigenen elektrischen Infrastruktur. Transformatoren, Schaltanlagen, Motoren oder Verteilungen unterliegen Alterungs- und Verschleißprozessen. Moderne Instandhaltungsstrategien setzen deshalb zunehmend auf Predictive Maintenance, also die vorausschauende Instandhaltung.
Warum sich Instandhaltung verändert
Traditionell werden Anlagen entweder nach festen Wartungsintervallen oder erst nach einem Ausfall instandgesetzt. Beide Vorgehensweisen haben Nachteile: Entweder werden Komponenten vorsorglich ausgetauscht, obwohl sie noch funktionstüchtig sind, oder ungeplante Störungen führen zu Produktionsausfällen.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) definiert Instandhaltung als die Gesamtheit aller Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung eines sicheren Zustands. Dazu gehören Inspektion, Wartung und Instandsetzung.
Zustandsdaten statt starre Wartungsintervalle
Bei der Predictive Maintenance werden Betriebs- und Zustandsdaten kontinuierlich erfasst und ausgewertet. Sensoren überwachen beispielsweise:
- Temperaturen in Schaltschränken
- Isolationszustände
- Schaltzyklen von Leistungsschaltern
- Schwingungen von Motoren
- Belastungen von Transformatoren
Anhand dieser Daten lassen sich Verschleißerscheinungen frühzeitig erkennen, bevor es zu einem Ausfall kommt.
Mehr Sicherheit und Verfügbarkeit
Die DGUV weist darauf hin, dass elektrische Anlagen regelmäßig geprüft und Mängel unverzüglich beseitigt werden müssen, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.
Predictive-Maintenance-Systeme unterstützen Unternehmen dabei, diese Anforderungen zielgerichtet umzusetzen. Kritische Zustandsänderungen werden früh erkannt und können rechtzeitig bewertet werden. Dadurch steigt die Anlagenverfügbarkeit und ungeplante Stillstände werden reduziert.
Wirtschaftliche Vorteile
Neben der erhöhten Betriebssicherheit ergeben sich auch wirtschaftliche Vorteile:
- geringere Ausfallkosten
- bessere Planbarkeit von Wartungsfenstern
- längere Lebensdauer von Betriebsmitteln
- effizienterer Einsatz von Personal und Ersatzteilen
Insbesondere in Produktionsbetrieben können dadurch erhebliche Kosten vermieden werden.
Anbei die Prognose des Marktanteils an der vorausschauenden Instandhaltung (Predicitive Maintenance). Angefangen von einem Volumen von 479 Millionen Dollar im Jahr 2024 entwickelt sich der Markt rasant bis auf 7682 Millionen Dollar im Jahr 2035. Das bedeutet, dass immer mehr Unternehmen die Vorteile von Predictive Maintenance erkennen und umsetzen.

Quelle: Spherical Insights
Fazit
Vorausschauende Instandhaltung entwickelt sich zunehmend zum Standard moderner Elektroinfrastrukturen. Unternehmen erhalten mehr Transparenz über den Zustand ihrer Anlagen und können Risiken frühzeitig erkennen. Das steigert nicht nur die Verfügbarkeit, sondern unterstützt auch die Einhaltung von Sicherheitsanforderungen.
Quellen
BAuA, TRBS 1112 „Instandhaltung“
DGUV Information 209-015 „Instandhaltung an Maschinen und Anlagen“
DGUV Information 203-072 „Wiederkehrende Prüfungen elektrischer Anlagen und ortsfester Betriebsmittel“
DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“