Die Steckdose funktioniert, die Maschine läuft und die Sicherung bleibt drin. Also ist elektrisch alles in Ordnung?
Nicht unbedingt.
Schlechte elektrische Kontaktstellen können lange unbemerkt bleiben. Eine lockere Klemme, ein beschädigter Steckkontakt oder Korrosion können den elektrischen Widerstand an einer Verbindung erhöhen. Die Folge: Die Kontaktstelle erwärmt sich.
Was zunächst unscheinbar wirkt, kann auf Dauer zu Verfärbungen, beschädigten Bauteilen, verschmorten Kontakten und im schlimmsten Fall zu einem schweren Elektrobrand führen.
01 | Warum werden schlechte Kontaktstellen heiß?
An Steckern, Klemmen, Schaltern oder Schraubverbindungen wandert elektrischer Strom von einem Bauteil über das Nächste. Ist die Verbindung technisch einwandfrei, ist der elektrische Widerstand sehr gering. Verschlechtert sich der Kontakt, steigt der sogenannte Übergangswiderstand. Dabei entsteht Wärme. Vereinfacht gilt:
P = I² × R
Dabei steht:
• P für die elektrische Verlustleistung in Watt (W)
• I für die Stromstärke in Ampere (A)
• R für den elektrischen Widerstand in Ohm (Ω)
Vereinfacht bedeutet die Formel: Je höher der Strom und je größer der Widerstand an einer schlechten Kontaktstelle, desto mehr Wärme entsteht dort. Ursachen können unter anderem sein:
• lockere Klemm- oder Schraubverbindungen
• Korrosion und Oxidation
• verschlissene Steckkontakte
• mechanische Beschädigungen
• nicht fachgerecht ausgeführte Anschlüsse
Besonders problematisch: Die Wärme entsteht häufig auf einer sehr kleinen Fläche.
02 | Warum löst die Sicherung nicht aus?
Das macht schlechte Kontaktstellen besonders tückisch. Bei einem Kurzschluss fließt ein sehr hoher Strom. Eine entsprechende Schutzeinrichtung erkennt diesen Überstrom und schaltet ab. Bei einem erhöhten Übergangswiderstand kann das angeschlossene Gerät dagegen weiterhin ganz normal funktionieren. Auch der Strom im Stromkreis kann sich noch innerhalb des zulässigen Bereichs
bewegen. Trotzdem wird die schlechte Verbindung immer heißer. Ein Leitungsschutzschalter muss deshalb nicht zwangsläufig auslösen. Durch die wiederholte Erwärmung kann sich die Kontaktstelle zusätzlich verschlechtern.
03 | Welche Warnzeichen sollte man ernst nehmen?
Schlechte Kontaktstellen sind nicht immer sofort sichtbar. Es gibt jedoch typische Warnzeichen:
• braune oder schwarze Verfärbungen
• angeschmolzene Kunststoffteile
• ungewöhnlich warme Stecker oder Steckdosen
• Schmorgeruch
• Knistern oder andere ungewöhnliche Geräusche
• flackernde Beleuchtung
• beschädigte oder korrodierte Kontakte
Eine verfärbte Steckdose ist deshalb nicht nur ein optischer Mangel. Sie kann darauf hinweisen, dass bereits eine erhöhte thermische Belastung vorhanden war. Auffällige elektrische Betriebsmittel oder Installationen sollten daher nicht einfach weiterverwendet, sondern fachgerecht beurteilt werden.
04 | Wie lassen sich solche Fehler erkennen?
Viele elektrische Verbindungen befinden sich in Verteilungen, Schaltschränken oder Maschinen und sind im laufenden Betrieb nicht direkt einsehbar. Neben regelmäßigen elektrischen Prüfungen kann hier die Elektrothermografie unterstützen. Mit einer Wärmebildkamera können auffällige Temperaturunterschiede sichtbar gemacht werden. So lassen sich beispielsweise stark erwärmte Klemmstellen, schlechte Kontakte oder überlastete Komponenten erkennen. Gerade im laufenden Betrieb können thermische Auffälligkeiten sichtbar werden, die äußerlich zunächst nicht erkennbar sind. Die Thermografie ersetzt keine elektrische Prüfung, kann diese jedoch sinnvoll ergänzen.
Fazit
Elektrische Fehler machen sich nicht immer durch einen Ausfall oder eine ausgelöste Sicherung bemerkbar. Gerade schlechte Kontaktstellen zeigen, dass eine Anlage funktionieren und trotzdem bereits eine gefährliche Wärmeentwicklung aufweisen kann. Verfärbungen, ungewöhnliche Wärme, Schmorgeruch oder andere Auffälligkeiten sollten deshalb immer ernst genommen und weiter
untersucht werden.