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Elektrosicherheit für Kinder – unterschätzte Gefahren im Alltag erkennen

5 Min. Lesezeit

Elektrischer Strom ist aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Für Kinder stellt er jedoch eine besondere Gefahr dar, da elektrische Risiken weder sichtbar noch intuitiv erfassbar sind. Während Erwachsene Gefahrenquellen häufig automatisch einschätzen, fehlt Kindern diese Erfahrung. Elektrosicherheit ist daher kein Randthema, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Unfallprävention – im privaten Umfeld ebenso wie in Betreuungseinrichtungen.

 

Warum Kinder besonders gefährdet sind

Kinder befinden sich in einer Entwicklungsphase, in der Neugier, Bewegungsdrang und das Erkunden der Umwelt im Vordergrund stehen. Gefahren werden dabei nicht bewusst wahrgenommen oder falsch eingeschätzt. Elektrizität wirkt für Kinder nicht bedrohlich, da Strom weder gesehen noch gehört werden kann. Hinzu kommt, dass Kinder Risiken häufig durch Nachahmung erlernen. Unsachgemäßer oder sorgloser Umgang mit elektrischen Geräten durch Erwachsene wird schnell übernommen – etwa das Ziehen am Kabel, das Nutzen beschädigter Ladegeräte oder das Spielen in der Nähe elektrischer Geräte. 

Eine wissenschaftliche Fachpublikation von Dr. Singer zum Thema „Elektrounfälle im Kindes- und Jugendalter“ zeigt, dass die Gefährlichkeit eines Stromunfalls maßgeblich vom Stromflussweg durch den Körper abhängt. Besonders kritisch sind Stromdurchgänge, die den Brust- und Herzbereich betreffen. 

Die Auswertung zeigt, dass Elektrounfälle mit einem Stromfluss von Hand zu Füßen oder von Händen zu Füßen eine deutlich höhere Letalität aufweisen als sogenannte Hand–Hand-Unfälle, da hierbei in der Regel höhere Stromstärken durch lebenswichtige Organe fließen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Hand–Hand-Unfälle insgesamt häufiger auftreten. Aufgrund dieser hohen Gesamthäufigkeit machen sie trotz der geringeren Einzelgefährdung etwa die Hälfte der dokumentierten (gewerblichen) tödlichen Stromunfälle aus. 

 

 

In der Praxis gibt es keine gesonderte, statistisch belastbare Erfassung von tödlichen Stromunfällen bei Kleinkindern. Dennoch gelten Kleinkinder aus sicherheitstechnischer Sicht als relevante Risikogruppe, da sie elektrische Gefahren nicht einschätzen können und häufig gleichzeitig mit Händen und Füßen mit elektrischen Quellen in Kontakt kommen. Dadurch können – selbst im Niederspannungsbereich – kritische Stromflusswege durch den Körper entstehen.

 

Typische elektrische Gefahrenquellen im Alltag 

Elektrische Gefahren entstehen meist nicht durch außergewöhnliche Situationen, sondern durch alltägliche Gegenstände: 

  • Ungesicherte Steckdosen, insbesondere in Bodennähe
  • Mehrfachsteckdosen, die leicht erreichbar oder überlastet sind
  • Ladegeräte und Netzteile, die dauerhaft eingesteckt bleiben
  • Beschädigte Kabel, offene Adern oder lose Steckverbindungen
  • Elektrogeräte ohne ausreichenden Berührungs- oder Feuchtigkeitsschutz 

Besonders kritisch ist, dass viele dieser Gefahren schleichend entstehen: Kabel werden über Monate beschädigt, Steckdosen lockern sich oder Geräte altern. Ohne regelmäßige Kontrolle bleiben diese Risiken oft unbemerkt – bis es zu einem Unfall kommt. 

 

Richtige Schutzmaßnahmen als zentrale Prävention

Die wirksamste Maßnahme zur Vermeidung von Stromunfällen bei Kindern ist die konsequente Prävention. Dabei kommt es weniger auf einzelne Warnhinweise an, sondern auf eine Kombination aus technischen Schutzmaßnahmen, regelmäßiger Kontrolle und bewusstem Umgang mit elektrischen Geräten. Die folgenden Maßnahmen haben sich in der Praxis als besonders wirksam erwiesen: 

1. Steckdosen kindersicher ausführen 

Ungesicherte Steckdosen gehören zu den häufigsten elektrischen Gefahrenquellen für Kleinkinder. Kindersicherungen sollten fest montiert und nicht nur gesteckt sein, da lose Einsätze leicht entfernt werden können. Wichtig ist außerdem, dass Sicherungen den Kontakt zu spannungsführenden Teilen zuverlässig verhindern und regelmäßig auf festen Sitz geprüft werden. 

2. Kabel und Leitungen regelmäßig kontrollieren 

Beschädigte Stromkabel stellen ein erhebliches Risiko dar. Typische Mängel sind aufgeplatzte Isolierungen, sichtbare Adern oder sogenannte „Kabelbrüche“, bei denen die Beschädigung zunächst nur im Inneren vorhanden ist. Kabel sollten nicht geknickt, gequetscht oder unter Teppichen verlegt werden. Defekte Leitungen sind umgehend auszutauschen – auch wenn das Gerät scheinbar noch funktioniert. 

3. Ladegeräte und Netzteile bewusst einsetzen 

Ladegeräte werden häufig dauerhaft in Steckdosen belassen und liegen in Reichweite von Kindern. Netzteile können sich erwärmen oder bei Beschädigung spannungsführend sein. Ladegeräte sollten nur bei Bedarf eingesteckt, regelmäßig überprüft und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. 

4. Elektrische Geräte kindersicher platzieren – besonders in feuchten Räumen 

Elektrische Geräte sollten so aufgestellt werden, dass Kinder weder an Kabel noch an Steckverbindungen oder Bedienelemente gelangen können. Besondere Vorsicht ist in feuchten Räumen wie Badezimmern, Waschräumen oder Küchen geboten. Feuchtigkeit kann den elektrischen Widerstand herabsetzen und das Risiko eines Stromunfalls deutlich erhöhen. Elektrische Geräte dürfen dort nur bestimmungsgemäß eingesetzt werden und müssen außerhalb der Reichweite von Kindern platziert sein. Provisorische Verlängerungen oder Ladegeräte haben in feuchten Bereichen nichts zu suchen. 

5. Defekte Geräte konsequent außer Betrieb nehmen 

Provisorische Lösungen oder „Übergangsnutzungen“ erhöhen das Unfallrisiko erheblich. Geräte mit sichtbaren Mängeln, Wackelkontakten oder ungewöhnlichen Geräuschen dürfen nicht weiterverwendet werden. Eine konsequente Stilllegung ist ein zentraler Bestandteil wirksamer Prävention. 

6. Aufsicht und Vorbildfunktion wahrnehmen 

Technische Schutzmaßnahmen entfalten ihre Wirkung nur in Kombination mit Aufmerksamkeit und Vorbildverhalten. Kinder orientieren sich am Umgang Erwachsener mit Elektrizität. Ein bewusster, sicherer Umgang sowie klare Regeln tragen wesentlich zur Unfallvermeidung bei. 

 

Aufsicht, Vorbildfunktion und altersgerechte Aufklärung

Technische Maßnahmen allein reichen nicht aus. Kinder lernen Sicherheit vor allem durch Vorbilder und Wiederholung. Ein bewusster, regelkonformer Umgang mit Elektrizität durch Erwachsene ist daher ein zentraler Präventionsfaktor. 
Altersgerechte Aufklärung – etwa warum Steckdosen keine Spielzeuge sind oder warum Kabel nicht gezogen werden dürfen – fördert ein erstes Gefahrenbewusstsein, ohne Angst zu erzeugen. 

Gleichzeitig ist eine klare Organisation der Aufsicht notwendig. Gerade in Betreuungseinrichtungen muss sichergestellt sein, dass elektrische Gefahrenquellen nicht unbeaufsichtigt zugänglich sind. 

 

Fazit: Elektrosicherheit ist Verantwortung – nicht nur Vorsicht

Elektrosicherheit für Kinder bedeutet, Verantwortung aktiv wahrzunehmen. Sie umfasst sichere Technik, regelmäßige Kontrollen, klare Zuständigkeiten und bewusste Aufklärung. Unfälle lassen sich nicht vollständig ausschließen, doch viele Stromunfälle sind vermeidbar – durch Aufmerksamkeit, technische Sicherheit und konsequentes Handeln. 

Ein sicheres Umfeld schützt Kinder nicht nur vor Verletzungen, sondern schafft auch Vertrauen – für Eltern, Betreuungspersonal und Träger gleichermaßen. 

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