Elektrischer Strom ist aus dem Arbeitsalltag nicht wegzudenken. Gleichzeitig gehört er zu den größten Gefährdungen, insbesondere bei unsachgemäßer Anwendung. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und die Berufsgenossenschaften geben klare Vorgaben vor, um Unfälle zu vermeiden. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel mehrerer Schutzmaßnahmen.
Mehrstufiges Schutzkonzept der Elektrosicherheit
Die Elektrosicherheit basiert auf einem grundlegenden Prinzip:
Gefahren werden nicht durch eine einzelne Maßnahme verhindert, sondern durch mehrere Schutzebenen gleichzeitig.
Dabei wird unterschieden zwischen:
- Basisschutz – verhindert das direkte Berühren spannungsführender Teile (z. B. Isolierung)
- Fehlerschutz – schützt im Falle eines Defekts durch automatische Abschaltung
- Zusätzlicher Schutz – ergänzt die Sicherheit (z. B. Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen)
Dieses mehrstufige Konzept stellt sicher, dass selbst bei einem technischen Fehler weiterhin ein wirksamer Schutz besteht. [1]
Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD/FI)
Eine zentrale Schutzmaßnahme ist der Einsatz von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD), umgangssprachlich FI-Schalter.
Diese Geräte überwachen den Stromkreis und erkennen kleinste Abweichungen. Tritt ein Fehlerstrom auf – beispielsweise durch beschädigte Leitungen oder Körperkontakt – wird der Stromkreis innerhalb kürzester Zeit automatisch abgeschaltet.
Die DGUV fordert den Einsatz solcher Schutzeinrichtungen insbesondere bei Steckdosenstromkreisen und bei erhöhter elektrischer Gefährdung, etwa auf Baustellen oder im Außenbereich. [1]
Bedeutung des ordnungsgemäßen Zustands
Ein zentraler Grundsatz der DGUV lautet:
Elektrische Betriebsmittel dürfen nur in einwandfreiem Zustand verwendet werden.
Das bedeutet konkret:
- beschädigte Geräte dürfen nicht benutzt werden
- Mängel müssen unverzüglich behoben werden
- unsichere Betriebsmittel sind sofort außer Betrieb zu nehmen
Dieser Punkt ist besonders wichtig, da viele Unfälle auf defekte oder unsachgemäß genutzte Geräte zurückzuführen sind. [1] [2]
Auswahl geeigneter Arbeitsmittel
Nicht jedes elektrische Gerät ist für jede Umgebung geeignet.
Die DGUV verlangt deshalb, dass elektrische Betriebsmittel entsprechend den Einsatzbedingungen ausgewählt werden.
Wichtige Faktoren sind:
- Feuchtigkeit und Witterungseinflüsse
- mechanische Belastung
- Einsatzort (z. B. Innenbereich oder Baustelle)
Wird ein ungeeignetes Gerät verwendet, können vorhandene Schutzmaßnahmen unwirksam werden. [1]
Pflicht zur regelmäßigen Prüfung
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Elektrosicherheit ist die regelmäßige Prüfung elektrischer Betriebsmittel.
Nach DGUV Vorschrift 3 müssen Geräte:
- vor der ersten Inbetriebnahme
- nach Reparaturen
- und in regelmäßigen Abständen
überprüft werden.
Ziel dieser Prüfungen ist es, Mängel frühzeitig zu erkennen und Gefahren zu vermeiden. [1]

Quelle: safetyculture.com
Verantwortung im Betrieb
Die Verantwortung für die Sicherheit liegt sowohl beim Unternehmen als auch bei den Beschäftigten.
Unternehmen müssen:
- sichere Arbeitsmittel bereitstellen
- Prüfungen organisieren
- Mitarbeitende regelmäßig unterweisen
Mitarbeitende müssen:
- Geräte sachgerecht verwenden
- Schäden melden
- Sicherheitsregeln einhalten
Nur durch dieses Zusammenspiel kann ein wirksamer Schutz entstehen. [1] [2]
Fazit
Die Regelwerke der DGUV und Berufsgenossenschaften zeigen eindeutig:
Sicherheit im Umgang mit elektrischem Strom ist immer das Ergebnis mehrerer Maßnahmen.
Entscheidend sind:
- funktionierende Schutztechnik (z. B. RCD)
- geeignete und geprüfte Geräte
- klare organisatorische Vorgaben
- sowie verantwortungsbewusstes Verhalten
Wer diese Grundlagen im Arbeitsalltag berücksichtigt, reduziert Risiken erheblich und sorgt für mehr Sicherheit im Betrieb.
Quellen:
[1] DGUV
[2] BG ETEM