Persönliche Schutzausrüstung schützt Elektrofachkräfte vor den Folgen elektrischer Gefährdungen, wenn technische und organisatorische Schutzmaßnahmen allein nicht ausreichen. Insbesondere bei Arbeiten an elektrischen Anlagen können trotz sorgfältiger Planung Restrisiken bestehen, die durch geeignete PSA reduziert werden müssen. Dazu zählen beispielsweise Stromunfälle, Verbrennungen durch Störlichtbögen oder Verletzungen durch umherfliegende Teile infolge eines Lichtbogenfehlers. [1] [2]
Die Gefährdungen sind dabei häufig nicht sofort sichtbar. Anders als bei mechanischen Risiken können elektrische Gefahren bereits durch eine kurze Berührung oder einen unerwarteten Anlagenfehler zu schweren Verletzungen führen. Deshalb kommt der persönlichen Schutzausrüstung eine besondere Bedeutung zu. Sie dient als zusätzliche Schutzbarriere und kann im Ernstfall entscheidend dazu beitragen, die Schwere von Verletzungen deutlich zu verringern. [1] [3]
Welche Gefahren bestehen bei elektrotechnischen Arbeiten?
Elektrotechnische Arbeiten sind mit verschiedenen Gefährdungen verbunden, die eine geeignete Schutzstrategie erfordern. Neben dem elektrischen Schlag gehört insbesondere der Störlichtbogen zu den gefährlichsten Risiken im Arbeitsalltag von Elektrofachkräften. [1] [3]
Ein Störlichtbogen kann innerhalb weniger Millisekunden Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius erzeugen. Die dabei entstehende Wärmeenergie reicht aus, um schwere Verbrennungen an Haut und Augen zu verursachen. Zusätzlich können Druckwellen, geschmolzene Metallpartikel und intensive UV-Strahlung auftreten. Selbst wenn die betroffene Person nicht direkt mit spannungsführenden Teilen in Berührung kommt, können die Auswirkungen eines Störlichtbogens erhebliche Verletzungen verursachen. [1] [2]
Elektrische Gefährdungen entstehen beispielsweise bei:
- Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten
- Schaltvorgängen an Verteilungen und Schaltanlagen
- Mess- und Prüfarbeiten
- Fehlersuche an elektrischen Anlagen
- Arbeiten in der Nähe spannungsführender Teile
Je nach Tätigkeit und Anlagentyp können Art und Ausmaß der Gefährdung stark variieren. Daher ist für jede Arbeitssituation eine individuelle Beurteilung erforderlich. [1] [3]
Welche PSA wird bei elektrotechnischen Arbeiten eingesetzt?
Die persönliche Schutzausrüstung für Elektrofachkräfte besteht in der Regel aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Ziel ist es, den gesamten Körper gegen die jeweiligen Gefährdungen bestmöglich zu schützen. [1]
Zu den wichtigsten Bestandteilen gehören Schutzkleidung gegen die thermischen Auswirkungen von Störlichtbögen, Schutzhelme, Gesichtsschutzvisiere, Schutzhandschuhe und Sicherheitsschuhe. Alle Komponenten müssen für den vorgesehenen Einsatzbereich geeignet sein und die erforderlichen Schutzklassen erfüllen. [1] [2]
Besonders die Schutzkleidung spielt eine wichtige Rolle. Herkömmliche Arbeitskleidung bietet häufig keinen ausreichenden Schutz gegen die extremen Temperaturen eines Lichtbogens. Moderne Schutzkleidung wird deshalb speziell geprüft und bewertet, um einen definierten Schutz gegen thermische Einwirkungen zu gewährleisten. [1]
Ebenso wichtig ist der Schutz von Kopf und Gesicht. Verbrennungen im Gesichtsbereich gehören zu den häufigsten und schwerwiegendsten Folgen von Störlichtbogenunfällen. Entsprechend müssen geeignete Schutzschirme oder Schutzvisiere verwendet werden, wenn die Gefährdungsbeurteilung dies erfordert. [1] [2]
Wie wird die richtige PSA ausgewählt?
Die Auswahl der PSA erfolgt auf Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung und darf nicht pauschal erfolgen. Nicht jede Tätigkeit erfordert den gleichen Schutzumfang, weshalb die tatsächlichen Risiken der jeweiligen Arbeit bewertet werden müssen. [1]
Dabei werden unter anderem folgende Faktoren betrachtet:
- Spannungsebene der Anlage
- Mögliche Lichtbogenenergie
- Abstand zur Gefahrenquelle
- Art und Dauer der Tätigkeit
- Arbeitsumgebung und Platzverhältnisse
Auf Basis dieser Informationen kann die erforderliche Schutzwirkung der PSA bestimmt werden. Die DGUV Information 203-077 beschreibt hierfür ein strukturiertes Verfahren und unterstützt Unternehmen bei der Auswahl geeigneter Schutzausrüstung gegen die thermischen Auswirkungen von Störlichtbögen. [1] [2]
Wichtig ist zudem, dass die Schutzausrüstung nicht nur ausreichend schützt, sondern auch praktikabel verwendet werden kann. Zu schwere oder ungeeignete PSA wird von Beschäftigten häufig als belastend empfunden und kann die Bewegungsfreiheit einschränken. Daher sollte neben der Schutzwirkung auch auf Tragekomfort und Ergonomie geachtet werden. [1] [2]

Quelle: uvex-safety.com
Warum reicht PSA allein nicht aus?
Persönliche Schutzausrüstung ist wichtig, sie kann jedoch andere Schutzmaßnahmen nicht ersetzen. Im Arbeitsschutz gilt grundsätzlich das Prinzip, Gefährdungen zuerst an ihrer Quelle zu vermeiden. Erst wenn verbleibende Risiken nicht vollständig ausgeschlossen werden können, kommt PSA ergänzend zum Einsatz. [1] [3]
Bei elektrischen Arbeiten bedeutet dies, dass zunächst technische und organisatorische Maßnahmen umgesetzt werden müssen. Hierzu zählen beispielsweise das Arbeiten im spannungsfreien Zustand, die Anwendung der fünf Sicherheitsregeln, sichere Arbeitsverfahren sowie geeignete Arbeitsfreigaben. Erst danach wird geprüft, welche persönliche Schutzausrüstung zusätzlich erforderlich ist. [3] [5]
Die PSA stellt damit die letzte Schutzebene dar. Ihre Aufgabe besteht darin, die Folgen eines Ereignisses zu begrenzen, falls andere Schutzmaßnahmen nicht ausreichend wirken oder ein unvorhergesehener Fehler auftritt. [1] [3]
Welche Verantwortung haben Unternehmen und Beschäftigte?
Ein wirksamer Schutz setzt voraus, dass Unternehmen und Beschäftigte ihre jeweiligen Pflichten kennen und wahrnehmen. Unternehmen sind verpflichtet, auf Basis der Gefährdungsbeurteilung geeignete PSA bereitzustellen und deren Verwendung sicherzustellen. Dazu gehören auch regelmäßige Unterweisungen, die Wartung der Ausrüstung sowie der Ersatz beschädigter Komponenten. [1] [3]
Beschäftigte wiederum müssen die bereitgestellte PSA bestimmungsgemäß verwenden und vor jedem Einsatz auf offensichtliche Mängel kontrollieren. Beschädigte Schutzkleidung, defekte Handschuhe oder verschlissene Visiere können die Schutzwirkung erheblich beeinträchtigen und sollten sofort ausgetauscht werden. [1] [2]
Darüber hinaus spielt die regelmäßige Unterweisung eine zentrale Rolle. Nur wenn Beschäftigte die Risiken ihrer Tätigkeit kennen und wissen, wie die PSA korrekt eingesetzt wird, kann die gewünschte Schutzwirkung erreicht werden. Arbeitsschutz ist daher immer eine Kombination aus technischer Sicherheit, klaren organisatorischen Vorgaben und verantwortungsbewusstem Handeln aller Beteiligten. [3] [4]
Welches Fazit lässt sich zur PSA für Elektrofachkräfte ziehen?
Persönliche Schutzausrüstung ist ein unverzichtbarer Bestandteil des elektrotechnischen Arbeitsschutzes. Sie schützt Elektrofachkräfte vor den Folgen elektrischer Gefährdungen und kann insbesondere bei Störlichtbogenereignissen schwere Verletzungen verhindern. In Kombination mit einer sorgfältigen Gefährdungsbeurteilung, sicheren Arbeitsverfahren und regelmäßigen Unterweisungen leistet sie einen entscheidenden Beitrag für die Sicherheit im Arbeitsalltag. [1] [2] [3]
Quellen
[1] DGUV Information 203-077
[2] DGUV Fachbereich ETEM: „Auswahl und Verwendung von PSAgS gegen die thermischen Auswirkungen von Störlichtbögen“
[3] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
[4] BG ETEM
[5] DIN VDE 0105-100